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Folge 8: Kommt KI mit Gewalt? Ein Blick zurück hilft.

Ich saß neulich mit einem Geschäftsführer zusammen, der unter Druck stand. Ein größerer Wettbewerber hatte öffentlich gemacht, wie viel er in KI investiert. Mein Gegenüber führt ein solides Unternehmen mit rund vierzig Mitarbeitern – für eine Investition dieser Größenordnung fehlen ihm Kapital und Personal. „Wenn ich da nicht mitziehe, bin ich in drei Jahren raus“, sagte er.

Gleichzeitig werben Anbieter damit, das „Betriebssystem“ des Großhandels zu werden – wer jetzt nicht einsteige, verpasse den Anschluss. Beeindruckende Versprechen, viel Druck.

Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte nimmt diesem Druck etwas die Schärfe. Jede große Technologie, die alles verändert hat – Dampfmaschine, Eisenbahn, Computer – hat Jahrzehnte gebraucht, bis sie sich wirklich durchgesetzt hat. Nicht, weil die Technik nicht funktionierte, sondern weil sie eingebettet ist in ein Geflecht, das mitwachsen muss: Infrastruktur, Wissen, Kapital.

Bei KI sind das saubere Daten, funktionierende Schnittstellen, Mitarbeiter, die mit dem Werkzeug etwas anfangen können. Das lässt sich nicht kaufen. Es muss wachsen – bei Ihnen genauso wie beim großen Wettbewerber und bei jedem Anbieter mit großen Versprechen.

Das heißt: Sie haben mehr Zeit, als der Druck vermuten lässt. Nutzen Sie sie gut. Erst die Frage, was Sie eigentlich lösen wollen. Dann, wo es bei Ihnen hakt. Erst danach das passende Werkzeug. Wer diese Reihenfolge einhält, muss sich von keinem Versprechen hetzen lassen – und ist am Ende oft schneller als die, die kopflos vorgeprescht sind.

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Götz Aumüller

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